Beitræge mit Tag „webdesign”

’s Antla – flügellahm im Web

Antla

Vorweg: Auch wenn einige ihre Probleme damit haben, dass diese Medium einem jeden ermöglicht, Kritik zu äußern, ich werde es wieder tun. Jetzt gleich. Ich brauche dazu keinerlei Legitimation von irgend jemanden noch muss ich mich vorher mit wem auch immer in Verbindung setzen. Und da man offensichtlich nicht lesen mag, bevor man kommentiert: Diese Homepage verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen. Ich bin auch gar nicht im Agenturgeschäft tätig, als das ich hier um irgendwelche Aufträge buhlen müsste. Aber vielleicht komme ich irgendwann zurück nach Franken und werde steinreich, indem ich einfach das mache, was man in jedem ordentlichen Handwerk macht: Vernünftige Arbeit.

Denn darum soll es auch heute gehen. Meine Heimatstadt ist seit kurzem um ein Stück Erlebnisgastronomie reicher, das „Antla“, Mikrobrauerei und gute fränkische Küche in einem. Sagt zumindest die Werbung, es hat sich leider noch nicht ergeben, dass ich da mal vorbeischauen konnte.
Da nicht alles, was in der Zeitung steht, richtig ist, muss hier aber zunächst klargestellt werden: Es heißt auch in Mitwitz „Entla“. Antla heißt es erst ab Hassenberg. Die sagen ja aber auch „a breids Braad“, obwohl sie „a braads Breid“ meinen. Vermutlich ist die Namensgebung daher eine Marketingmaßnahme, um in’s Gespräch zu kommen. Aber irgendwie hat das was von sein Kind Pumuckl zu nennen, nur damit man zum Gesprächsthema in der Stadt wird.

Wie schon erwähnt haben Gastronomiehomepages im Landkreis Kronach vor allem eines gemeinsam: Sie sind schrecklich. Optisch, technisch und inhaltlich. Es braucht also nicht viel, um aus dieser Masse des Grauens hervorzustechen.
Ich wage zu behaupten, dass beim Gesamtvolumen von 2,5 Millionen Euro 1‰ gereicht hätte, um eine annehmbare Homepage, die optisch, technisch und inhaltlich auf dem aktuellen Stand ist, auf die Beine zu stellen. Für alle, die es nicht so mit dem Kopfrechnen haben: 1 Promille von 2,5 Millionen sind 2500 Euro. Stattdessen muss man annehmen, dass in diese Homepage genau 0 Euro geflossen sind. Offensichtlich fängt für „die Werbeberater“, wie es so schön in der Neuen Presse heißt, das Erlebnis Erlebnisgastronomie erst an der Türschwelle an. Die Homepage jedenfalls vermittelt den kühlen Charme einer Werbebroschüre für ein Altersheim, bei der man kurz vor Feierabend noch schnell den Knopf ‘Für Web exportieren’ in der verwendeten Textverarbeitung gedrückt hat:
Anders ist es nicht zu erklären, warum das ganze die Form eines DIN A4-Blattes hat, sieht man mal vom animiertes Gif-Bild als Intro mit sehenswerter Meta-Weiterleitung ab. Der Text ist schwer lesbar, Spationierung zu groß, Durchschuß zu klein, Schriftgöße generell zu gering. Die Tageskarte ist ein per iFrame eingebundener Word-Export, beim Kalender kommt ungefragt ein PDF-Dokument. Bei Hotels wird auf den Innenteil des Framesets der Hotelhomepage verlinkt, zu dessen Gesamtensemble das Antla ja gehört. Von dort gibt es keinen Weg zurück und auch keinen Weg zur eigentlichen Hotelwebsite. Kontakt gibt’s nur per E-Mail, kein Formular hilft dem Gast, mal eben schnell eine Anfrage abzusenden, von einer Karte, wo denn das Antla liegt, ganz zu schweigen. Von der Möglichkeit, direkt online zu reservieren, wollen wir erst gar nicht reden.

Der ein oder andere wird jetzt sagen: „Ja, aber das Antla hat doch noch gar nicht offiziell eröffnet, ist doch alles noch Baustelle!“. Korrekt. Aber es wird sich an der Homepage nicht mehr viel ändern. Denn wer auch immer das verbrochen hat hat keine Ahnung von dem, was er tut. Und das wird sich auch bis zur Eröffnung im nächsten Jahr nicht ändern. Außer, man nimmt ein paar Euros in die Hand, damit das Erlebnis nicht schon bei der Homepage zum Albtraum wird. Aber vielleicht ist ja auch die miese Qualität der Homepage ein weiterer geschickter Schachzug der Marketingstrategen, um ins Gespräch zu kommen.

Zeitgemäß anno 2002

Frankenwaldtourismus

Osterurlaub bei meinen Eltern, beim letzten Abendessen eher unmotiviert durch die AVP geblättert und am Artikel „Neu gestaltete Internetseite für die touristischen Angebote aus dem Frankenwald” hängengeblieben. Ja, das wurde aber auch Zeit, die alte Seite in türkis, wo Wetter online prominenter vertreten war als die eigentlichen Inhalte, war mehr als unansehnlich. Und gute Webseiten sind auch gut für’s Geschäft (der Bauernhannla hat das noch immer nicht erkannt und bezugnehmend auf den Kommentar von Melanie kann ich noch ergänzen: Würde ich ihm anbieten, aber Agenturgeschäft ist „not my business”) und der Tourismus ist eine der wichtigsten Standbeine des Frankenwaldes.

Wer in der heutigen Informationsgesellschaft Kunden gewinnen und halten will, muss seine Angebote im Internet zeitgemäß präsentieren.

schreibt denn auch die AVP folgerichtig.

Auf den ersten Blick wirkt die Website frankenwald-tourismus.de auch in der Tat modern. Das typische Layout der Zeit mit nach oben ausklappenden Menüs und einem dreispaltigen Aufbau. Insgesamt wirkt der neue Auftritt frisch und gut durchdacht. Aber er hat natürlich so seine Ecken und Kanten:

Optisch fällt gleich auf, dass der mittlere Bereich zu eng geraten ist. Und auch dem Flash im Kopf hätte es besser gestanden, wenn es für breitere Monitore sanft in den Hintergrund übergeht, statt abrupt und nicht mal bündig mit der Navigation irgendwann zu enden. Auch das Menü suggeriert mit seinen kleinen Pfeilchen, dass es über mehrere Ebenen gehen wird, was aber nicht der Fall ist. Der Luxus, eine Hand als Mauszeiger zu haben, wie das bei Links eigentlich üblich ist, wird einem leider auch verwehrt.

Der englische Bereich ist ein Witz. Oder eine Frechheit. Oder beides.

Technisch habe ich, naturgemäß, mehr Kritikpunkte anzubringen.
Der Quelltext ist, gelinde gesagt, anstrengend. Viel zu viele unnötige Container, landläufig auch DIV-Suppe genannt und dann mischt sich doch immer mal wieder eine Layouttabelle ein – gerade bei einem Formular wie der Unterkunfts-Schnellsuche ist das so unnötig wie ein Kropf, wenn man denn wüsste, mit welchen Elementen man so ein Formular auszuzeichnen hätte. Von zugänglich ist dieses auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Apropos Zugänglichkeit: Im Schnelltest durchgefallen, keine Skiplinks und auch alt-Texte für Bilder sind nicht vorhanden. Auch Überschriften sind gerne mal eben keine. Dafür sind die eigentlichen Überschriften mittels CSS ausgeblendet.

Und auch die Funktionsweise eines Druckstylesheets sollte man der ausführenden Agentur nochmal in aller Ruhe erklären.

Mittels einer interaktiven Karte kann man sich informieren, welche Angebote sich wo im Frankenwald befinden.

So die AVP weiter. Sorry, die Karte geht mal gar nicht. Die Topographischen Karten vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sind für die Internetdarstellung schlicht und ergreifend nicht geeignet, wie es besser geht zeigen seit Jahren Google und Yahoo. Die Ladezeit ist außerdem unter aller Kanone.

Zeitgemäß hört darüber hinaus leider beim Design auf. Ich wollte den RSS-Feed abonnieren, damit ich immer auf dem laufenden bin. Gibt’s nicht. Auch das Online-Buchungssystem, an dem derzeit laut AVP nur ein Drittel der Unterkunftsbetriebe teilnehmen ist mindestens genau so verbuggt und hässlich wie das an der Mosel. Zeitgemäß ist anders!

© blogpotato.de