Beitræge mit Tag „redesign”

Zeitgemäß anno 2002

Frankenwaldtourismus

Osterurlaub bei meinen Eltern, beim letzten Abendessen eher unmotiviert durch die AVP geblättert und am Artikel „Neu gestaltete Internetseite für die touristischen Angebote aus dem Frankenwald” hängengeblieben. Ja, das wurde aber auch Zeit, die alte Seite in türkis, wo Wetter online prominenter vertreten war als die eigentlichen Inhalte, war mehr als unansehnlich. Und gute Webseiten sind auch gut für’s Geschäft (der Bauernhannla hat das noch immer nicht erkannt und bezugnehmend auf den Kommentar von Melanie kann ich noch ergänzen: Würde ich ihm anbieten, aber Agenturgeschäft ist „not my business”) und der Tourismus ist eine der wichtigsten Standbeine des Frankenwaldes.

Wer in der heutigen Informationsgesellschaft Kunden gewinnen und halten will, muss seine Angebote im Internet zeitgemäß präsentieren.

schreibt denn auch die AVP folgerichtig.

Auf den ersten Blick wirkt die Website frankenwald-tourismus.de auch in der Tat modern. Das typische Layout der Zeit mit nach oben ausklappenden Menüs und einem dreispaltigen Aufbau. Insgesamt wirkt der neue Auftritt frisch und gut durchdacht. Aber er hat natürlich so seine Ecken und Kanten:

Optisch fällt gleich auf, dass der mittlere Bereich zu eng geraten ist. Und auch dem Flash im Kopf hätte es besser gestanden, wenn es für breitere Monitore sanft in den Hintergrund übergeht, statt abrupt und nicht mal bündig mit der Navigation irgendwann zu enden. Auch das Menü suggeriert mit seinen kleinen Pfeilchen, dass es über mehrere Ebenen gehen wird, was aber nicht der Fall ist. Der Luxus, eine Hand als Mauszeiger zu haben, wie das bei Links eigentlich üblich ist, wird einem leider auch verwehrt.

Der englische Bereich ist ein Witz. Oder eine Frechheit. Oder beides.

Technisch habe ich, naturgemäß, mehr Kritikpunkte anzubringen.
Der Quelltext ist, gelinde gesagt, anstrengend. Viel zu viele unnötige Container, landläufig auch DIV-Suppe genannt und dann mischt sich doch immer mal wieder eine Layouttabelle ein – gerade bei einem Formular wie der Unterkunfts-Schnellsuche ist das so unnötig wie ein Kropf, wenn man denn wüsste, mit welchen Elementen man so ein Formular auszuzeichnen hätte. Von zugänglich ist dieses auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Apropos Zugänglichkeit: Im Schnelltest durchgefallen, keine Skiplinks und auch alt-Texte für Bilder sind nicht vorhanden. Auch Überschriften sind gerne mal eben keine. Dafür sind die eigentlichen Überschriften mittels CSS ausgeblendet.

Und auch die Funktionsweise eines Druckstylesheets sollte man der ausführenden Agentur nochmal in aller Ruhe erklären.

Mittels einer interaktiven Karte kann man sich informieren, welche Angebote sich wo im Frankenwald befinden.

So die AVP weiter. Sorry, die Karte geht mal gar nicht. Die Topographischen Karten vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sind für die Internetdarstellung schlicht und ergreifend nicht geeignet, wie es besser geht zeigen seit Jahren Google und Yahoo. Die Ladezeit ist außerdem unter aller Kanone.

Zeitgemäß hört darüber hinaus leider beim Design auf. Ich wollte den RSS-Feed abonnieren, damit ich immer auf dem laufenden bin. Gibt’s nicht. Auch das Online-Buchungssystem, an dem derzeit laut AVP nur ein Drittel der Unterkunftsbetriebe teilnehmen ist mindestens genau so verbuggt und hässlich wie das an der Mosel. Zeitgemäß ist anders!

Dem Bauernhannla sei Homepage

Bauernhannla

Ich muss nochmal auf die Homepage vom Bauernhannla zurückkommen. Ich hatte das ja schon angesprochen: Die geht absolut nicht. Wenn ich mich in der Gegend nicht auskennen würde und online ein Lokal für den Sonntagsausflug suchen würde, der Bauernhannla wäre sicherlich nicht mit dabei (wobei man ehrlich sagen muss, wenn ich ein Restaurant in Landkreis Kronach nach der Homepage aussuchen müsste, würde ich zu McDonalds gehen).

Bauernhannla – der urige Gasthof im Frankenwald

An der Homepage ist nichts auch nur im Ansatz urig! Allenfalls gruselig. Angefangen vom Frameset und dem übrigen Quellcode über das grün, das kein wirklich heimeliges Gefühl aufkommen lassen will bis hin zum schlecht freigestellten Logo. Jetzt ist es nicht so, dass die Konkurrenz in Steinberg es wesentlich besser machen würde. Auch zum davonlaufen. Aber beim Frack gibt’s wenigstens alle Bilder in einigermaßen groß, während beim Bauernhannla Briefmarkengröße vorherrscht. Der einzige Pluspunkt: Es wird offensichtlich regelmäßig der Bereich ‘Aktuelles’ aktualisiert. Auch nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Macht wahrscheinlich der Sohn vom Nachbarn. Würde zumindest zur Optik passen.

Dem könnte man aber mal sagen, er soll die Woche kein Update einspielen, weil das letzte schon entsprechend weitreichend vorausgeplant war und stattdessen den Schrott, der aktuell online ist, entsorgen und gegen was zeitgemäßes ersetzen. Das ist auch nicht weiter schwierig. Nichtmal für den möglicherweise minderbegabten Sohn des Nachbarn.

Software

Zunächst mal zieht man los und holt sich passende Software. Wordpress zum Beispiel. Kostet nichts, passt also ins Budget, und ist hinreichend DAU-sicher. Seit dem Online-Update, das mit 2.7 eingeführt wurde, sogar von einem solchen problemlos aktuell zu halten.

Bilder

Dann nimmt man sich eine beliebige Digitalkamera, wartet einen schönen Tag ab und macht Bilder. Vielleicht auch mal mit Leuten drauf. So sieht das aus als würde niemand hingehen. Und wenn es vier Wochen wie aus Eimern schüttet füttert man halt mal Google mit Informationen. Da fallen dann beispielsweise solche großartigen Aufnahmen raus. Den Fotografen zu fragen, ob man das Bild vielleicht benutzen darf, kostet erstmal nichts außer Überwindung. Und vielleicht hat er ja noch mehr davon.

Optik

Für grafisch Minderbemittelte wie mich wurde das Smashing Magazine erfunden. Die meinen es immer mal gut mit einem und schmeißen qualitativ hochwertige Themes für lau raus, wie zum Beispiel Blakmagik. Damit das ganze nicht gleich auf den ersten Blick aussieht wie von der Stange holt man sich noch eine andere Schrift für die Headline, beispielsweise die ebenfalls freie Yanone Kaffeesatz und ohne überragende Photoshop-Skills bekommt man auch das für den geplanten Einsatzzweck unpassende RSS-Logo weg und ein Logo rein.

Zusammenschrauben

Wenn man dann alle Einzelteile hat muss man die nur noch zusammenschrauben. Hier und da braucht es eine Schraube mehr, um beispielsweise auch einen Arikel auf die Startseite zu bringen, neben den Posts, die zukünftig die Aktuell-Kategorie ablösen. Und die Seiten, die oben rechts ‘rumhängen’ sollen natürlich nicht noch mal direkt drunter auftauchen.

Bauernhannla

Also alles kein Hexenwerk und innerhalb kürzester Zeit ist eine Homepage fertig, die ein wirklich uriges Gefühl vermittelt, einfachst zu administrieren und zu pflegen ist und die komplette Konkurrenz um Längen aussticht. Da hätte auch der Unternehmensberater drauf kommen können…

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